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Kunst an der HNS

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Gartenprojekt der GS4 gestartet

Die Lerngruppe GS4 startete in der letzten Woche im Rahmen des Sachunterrichts das Projekt "Schulgarten".

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Tiergestützte Pädagogik

Pädagogische Schwerpunkte und Ziele der tiergestützten Arbeit an der Heinz-Neukäter-Schule

Sowohl die Anwesenheit des Schulhundes als auch das heilpädagogische Reitangebot sind für die pädagogische Arbeit an der Heinz-Neukäter Schule auf ganz unterschiedlichen Ebenen häufig sehr hilfreich und wertvoll.

 

Kommunikationsebene

In der Klassengemeinschaft ergibt sich durch den „eigenen“ Hund schnell eine freundliche und entspannte Atmosphäre. Das gemeinsame Thema Hund verbindet alle Anwesenden auf einer persönlichen und emotionalen Ebene, anders als es durch rein fachliche Auseinandersetzungen möglich wäre. Wir lachen gemeinsam über Leo, die Schüler und Schülerinnen erzählen gerne von eigenen Erlebnissen mit Hunden, sie formulieren Fragen zu Leo oder zum Thema Hund allgemein und bitten darum, ein Kommando erlernen und umsetzen zu dürfen.

Auch in der Pause treten häufig Schüler an Frau Dietze heran, um etwas über Leo zu erfragen oder um von ihrem eigenen Hund zu berichten. Besonders neue Schüler fragen sofort, was das denn für ein Hund sei. Der natürliche Sprechanlass bewirkt, dass Schüler und Lehrer ein freundliches und unbelastetes Gespräch führen und sich gegenseitig anders wahrnehmen, als wenn sie nur in einer Konfliktsituation miteinander kommunizieren.

Kleine Spaziergänge mit Leo bieten Gelegenheit, den Schülern einmal intensivere Aufmerksamkeit schenken und in Ruhe ein Gespräch führen zu können, welches im hektischen Schulgeschehen häufig gar nicht zustande kommt. Das Gespräch ergibt sich auf eine ganz natürliche, ungezwungene Weise.

Für neue Schüler, die sich in der fremden Situation unwohl fühlen und Schwierigkeiten haben, mit den Lehrern (auf angemessene Weise) ins Gespräch zu kommen, zeigte sich der Schulhund bereits als äußerst hilfreich. Leo nimmt Kontakt zu den Schülern auf, ohne dass diese gleich eine Erwartungshaltung vermuten. Sie können auch ohne Worte mit dem Hund ins „Gespräch“ kommen und somit langsam ihre „Schutzstarre“ abbauen. Spätestens beim ersten Spaziergang, wenn man dem Hund auch Kommandos geben muss, kommt die Sprache automatisch hinzu, wieder auf eine ungezwungene, den Schulkontext zunächst nicht betreffende Weise.

Diese „Eisbrecherfunktion“ des Hundes ergibt sich vermutlich dadurch, dass der Kontakt zu Hunden meistens noch nicht negativ vorbelastet ist. Hunde verurteilen niemanden aufgrund seines Äußeren oder der Leistungsfähigkeit und ärgern sich nicht über unerledigte Hausaufgaben. Leo macht keine falschen Versprechungen und kann kleine Geheimnisse nicht weitererzählen. Die Schüler können sich also sicher sein, dass die Kommunikation und Interaktion mit Leo „ehrlich“ ist und sie die Chance auf einen neuen Freund haben.

Mit Erwachsenen, besonders mit Lehrern, haben unsere Schüler hingegen häufig schlechte Erfahrungen gemacht. Sie fühlen sich beobachtet und verspüren teilweise einen enormen Erwartungsdruck. Hilfestellungen zur Veränderung von Verhaltensmustern nehmen sie von den Erwachsenen viel schwerer an, als wenn Leo Rückmeldungen zum Schülerverhalten gibt. Unangenehmem Körperkontakt (z.B. klammern und festhalten) entzieht er sich einfach, während er ein achtsames, nicht drängendes Streicheln genießt und fordert.

Gleiches gilt für unsere Reitangebote. Über die Pferde ergeben sich zunächst „unverfängliche“, sachliche Inhalte, die dann über den Umgang mit dem Pferd schnell auf tiefere Ebenen vordringen wie z.B. eigene Ängste oder Grenzen.

Die Pferde geben aufgrund ihrer körperlichen Präsenz häufig noch eindrucksvollere Rückmeldungen zum menschlichen Verhalten, z.B. Erschrecken bei Lautstärke/wilden Bewegungen, Ziehen bei Unkonzentriertheit oder Unsicherheit des Menschen, Zutrauen bei sensibler Annäherung oder harmonisches Miteinander bei gegenseitigem, nonverbalen Verstehen.

Wie von selbst ergeben sich also zahlreiche und vollkommen ungezwungene Kommunikationsanlässe und Kommunikationschancen zwischen Schüler und Schüler, zwischen Lehrer und Schüler und zwischen Tier und Schüler.

 

Sachebene

Das Thema „Hund“ als Säugetier, als Haustier oder gar als Raubtier ist in den curricularen Vorgaben für den Sachkunde- bzw. Biologieunterricht vorgesehen und daher sowohl in der Grundstufe als auch in der Hauptstufe relevant. Das Pferd als Pflanzen fressendes Fluchttier stellt das perfekte Gegenteil dar und lässt vergleichende Beobachtungen, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen am „echten Objekt“ zu.

Mit einem lebenden Hund/Pferd können einzelne Aspekte des Sachkunde- bzw. Biologieunterrichts anschaulicher und eindrucksvoller erarbeitet werden als ausschließlich mit Filmen und Abbildungen. Beispielsweise kann ein echtes Raubtiergebiss (vs. Pflanzenfressergebiss) untersucht und berührt werden. Die Anzahl der Zehen und Krallen bzw. Hufe kann direkt gezählt, ihre Kraft und Schärfe am eigenen Leib erfahrbar werden. Für die Schüler hat es einen direkten Sinn, etwas über die Lebensgewohnheiten und Bedürfnisse eines Hundes zu erfahren, da sie fast täglich bis zu sechs Stunden mit ihm verbringen.

Der richtige Umgang mit dem Hund bzw. dem Pferd kann direkt erprobt und die Sprache der Tiere dabei erlernt werden. Unfälle mit fremden Hunden, die aus Unwissenheit resultieren, können reduziert werden.

Auch die Haltung des eigenen Hundes zu Hause wird von den Schülern möglicherweise überdacht und im besten Falle den Bedürfnissen angepasst.

In der Hunde-AG dreht sich ein halbes Schuljahr lang alles um das Thema Hund, so dass diese Schüler zu kleinen Hundeexperten ausgebildet werden und ein Hundediplom erwerben können.

Auch in unseren beiden Reitangeboten erwerben die Schüler ein ganzes Halbjahr Wissen und Handlungskompetenz rund ums Pferd, welches in einem Reitführerschein dokumentiert wird.

 

Wahrnehmungsebene und Emotionale Ebene

Der Kontakt zu Hund und Pferd wirkt sich auch auf der Wahrnehmungsebene vielfach positiv aus. Die Schüler erleben die Tiere sozusagen „hautnah“. Beim Kuscheln und Streicheln, beim Toben und Spielen, beim Reiten und Führen oder beim Anleinen und Erziehen nehmen sie das Tier über den taktilen Sinn wahr: das weiche Fell, die kalte Hundeschnauze, die spitzen Zähne und scharfen Krallen, der schwere Huf, ein nasser Hundekuss durchs Gesicht oder die großen Lippen, wenn das Pferd die Möhre aus der Hand frisst.

Je nach subjektivem Erleben gibt es angenehme und unangenehme Berührungen zwischen Tier und Mensch. Der Kontakt mit den Hundezähnen, z.B. wenn das Leckerchen oder der Ball zu hastig aus den Fingern genommen werden, oder der Schmerz, wenn ein Huf auf dem eigenen Fuß landet, zählen sicherlich zu den letzteren. Jedoch ist auch diese Sinneserfahrung von Bedeutung. Die Schüler lernen, ihr Handeln und das Verhalten ihres Gegenübers genauer zu beobachten und wahrzunehmen und gegebenenfalls durch Hilfestellung zu verändern. So erfahren sie eine direkte Rückmeldung zwischen eigener Körpersprache und Reaktion des Hundes bzw. des Pferdes. Durch rasche Erfolgserlebnisse gewinnen sie mehr und mehr Selbstbewusstsein und entwickeln eine immer klarere Ansprache verbunden mit einer eindeutigen Körpersprache. Die Schüler/innen entwickeln eine realitätsnähere Einschätzung eigener Fähigkeiten und Grenzen, was ihnen letztendlich mehr Selbstsicherheit und -vertrauen gibt.

Ein angemessenes Nähe- und Distanzverhältnis entwickelt sich parallel.

Beim Reiten wird neben dem taktilen Reiz auch der Gleichgewichtssinn durch die Bewegung auf dem Pferd gefördert. Durch bestimmte Aufgaben auf und mit dem Pferd werden sowohl die motorische Koordination als auch visuelle und auditive Sinnesorgane angesprochen und gefördert. Eine diagnostische Abklärung von Wahrnehmungs-schwächen ist in einem ungezwungenen Rahmen möglich.

Die gezielte Förderung bestimmter Sinne wirkt sich zudem direkt auf schulische Lernprozesse aus.

Es erfordert viel Ausdauer und Konzentration, gewünschte Befehle/Hilfen zu erlernen und umzusetzen. Verbale und nonverbale Verständigung müssen zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Intensität kombiniert werden. Die Schüler sind in aller Regel sehr ausdauernd und konzentriert in der Arbeit mit Leo und den Pferden, auch wenn diese einmal den Gehorsam verweigern. Sicherlich trägt die emotionale Bindung zum Hund oder Pferd dazu bei, dass sie Befehlsverweigerungen nicht gleich als Abneigung, eigenes Versagen oder gar als Provokation erleben, sondern als Rückmeldung zu eigenem Fehlverhalten oder als liebenswerte, freche Charaktereigenschaft des Tieres.

Eine gelungene Kommunikation zwischen Tier und Mensch lässt die Schüler in ihrem Selbstbewusstsein sichtlich wachsen, denn das kann nicht jeder!

Die Schüler der „Hundeklasse“ entwickeln ein deutlich spürbares Verantwortungsgefühl für Leo. Sie achten stets darauf, dass er frisches Wasser im Napf hat und keine gefährlichen Gegenstände in den Mund nimmt. Verlässt Leo unerlaubt den Klassenraum, bemüht sich sofort ein Schüler darum, ihn zurückzuholen oder Bescheid zu sagen. Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz. Einige Schüler bringen Leo tolle Leckerchen von zu Hause mit.

Die Reitkinder haben auch häufig eine Möhre oder einen Apfel dabei, um Resi und Star etwas Gutes zu tun.

Viele Schüler setzen sich in kleinen Arbeitspausen einfach zu Leo auf den Boden, um mit ihm zu kuscheln und Liebkosungen von ihm zu bekommen. Er zaubert eigentlich jedem Schüler ein stolzes Lächeln aufs Gesicht, wenn er sich vor ihm auf den Rücken legt, um gekrault zu werden oder seine Zuneigung durch Schwanzwedeln und einen feuchten Hundekuss zeigt.

Einige Schüler haben zunächst großen Respekt oder gar Angst vor dem großen schwarzen Hund oder dem nahezu riesigen Pferdekörper. Sie haben in der Schule bzw. im Stall die Gelegenheit, sich in ihrem Tempo langsam und fachgerecht anzunähern, woraus sich schon viele Hunde- und Pferdefreunde entwickelt haben.

Natürlich gibt es auch Schüler, die ihre Angst nicht überwinden können bzw. diese durch coole Sprüche aus der Ferne überspielen. Einige Schüler haben schlicht kein Interesse an Tieren allgemein oder an Hunden im Speziellen, was selbstverständlich zu respektieren ist.

Alles in allem ist unser Schulhund Leo jedoch ein sehr wertvoller pädagogischer Mitarbeiter. Und auch unsere fünf Pferde leisten hervorragende Dienste. 

   
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